Shelterplast
Ein Projekt für Kenia
Projekt Ãœbersicht
Wir sind ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in der Schweiz und konzentrieren uns auf die Sammlung und Verwertung von Plastikabfällen in Kenia. Zusammen mit der Bevölkerung vor Ort möchten wir aus dem Plastik Häuser bauen und bieten somit nicht nur Unterkünfte, sondern auch Arbeitsplätze und Beschäftigung.
Funding goals
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Etappe 1:
40'000 CHF
100% funded
Der Betrag von CHF 40'000 ermöglicht uns die Weiterentwicklung der Häuser nach modularem Baukastensystem inkl. Prototypen.
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Etappe 2:
75'000 CHF
19% funded
Mit dem zusätzlichen Betrag von CHF 35'000 können wir bereits geeignete Lagerflächen für die gesammelten Plastikabfälle mieten und uns hierfür einen eigenen Container anschaffen. Ausserdem lassen sich kleinere Sammelstationen für die Bevölkerung im Dorf einrichten.
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Zieletappe:
100'000 CHF
0% funded
Mit den restlichen CHF 25'000 können wir bereits die Produktion der ersten zwei Häuser für Familien produzieren und aufbauen. Abzüglich aller Gehälter unseren Mithelfenden in Kenia bleibt sogar ein kleiner Restbetrag übrig, um Werbematerial wie Flyer und Plakate zu drucken.
Ausserdem kämpfen zahlreiche Kenianerinnen und Kenianer von Tag zu Tag ums Überleben, aufgrund fehlender oder unzureichender Beschäftigung mit fairer Entlohnung. Der Welthunger-Index 2020 Kenias vmit 23.7 bestätigt dies. Damit belegt Kenia von insgesamt 107 Ländern den Platz 84. Rund 36 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das sind rund 20% mehr als in der Schweiz.
Ein wichtiger Teil des Prozesses ist der Wissenstransfer. Wir wollen den Einwohnern und Einwohnerinnen aufzeigen, warum die fachgerechte Entsorgung von Plastik so wichtig ist und weshalb die Abfälle nicht im Freien verbrannt werden dürfen. Aufgrund fehlender Entsorgungsmöglichkeiten wird heute der Plastik in den Gärten verbrannt. Die daraus entstehenden Aerosole gelangen in die Atemwege und führen zu Erkrankungen. Diesen gesundheitsgefährdenden Folgen möchten wir präventiv entgegenwirken.
Das Dorf macht einen verschlafenen Eindruck. Nur barfüssige Vorschulkinder in Shirts spielen vor den Häusern aus Lehm und Korallenstein auf der Naturstrasse. Wer auswärts eine Arbeit hat, ist längst auf und hat das Dorf zu Fuss oder auf dem Motorrad verlassen, Hirten haben das Vieh frühmorgens zum Weiden getrieben. Die Zurückgebliebenen machen den Haushalt, machen sich allmählich zur Arbeit auf dem Acker auf oder gehen zum Strand um zu fischen oder auf dem Korallenriff Muscheln zu suchen. Erst viel später werden Gemüse und Früchte auf Ständen vor einzelnen Häusern und Hütten angeboten.
Am Nachmittag kommen scharenweise Kinder und später auch Jugendliche von der Schule nach Hause. Sie tragen Schuluniformen – in grellen Farben die Primarschulkinder, in Grau- oder Blautönen die Jugendlichen aus der Sekundarschule. Am späten Nachmittag, wenn auch diejenigen, die auswärts waren, wieder zurückkehren, ist das Dorf belebt. Die Menschen sitzen vor ihren Hütten und Häusern, Männer sitzen im Mnasi-Den und trinken Palmwein. Feine Düfte gehen durchs ganze Dorf. Vor den Hütten wird gekocht. Es werden frittierte Maniok- oder Kartoffelstückchen mit scharfem Gewürz, Bohnen und Chapati, Fisch, geröstete Maiskolben oder gekochter Mais angeboten. Kinder spielen und rennen und balgen sich. Man sieht hier Spiele und Spielzeug wie in Europa seit Jahrzehnten nicht mehr: Reifenschlagen und Gummitwist.
Auf der Naturstrasse, die von der Überlandstrasse zum Dorf führt, weiter Richtung Strand kommt man an einer riesigen Baubrache vorbei. Sie ist die Hinterlassenschaft eines wohl ausländischen Investors. Seit Jahren geht hier nichts mehr. An den Strand kommt man durch das Areal des ehemals prächtigen Paradise-Hotel. Zwar wurden in den letzten Jahren immer wieder einzelne Gebäudeteile genutzt, aber das Hotel ist nicht mehr in Betrieb und nur noch ein kümmerlicher Rest der ehemals ausgedehnten Anlage. Bis 2002 war das Hotel der grösste Arbeitgeber in Msumarini gewesen und die Touristen hatten Devisen in den lokalen Wirtschaftskreislauf gebracht.
Der Strand ist an Werktagen meist leer – bis auf ein paar Schulschwänzer und zwei, drei Frauen, die Fische putzen und ein paar streunende Hunde. Selten sieht man Touristen. Die Jungs suchen in den angespülten Plastikabfällen nach etwas Brauchbarem. Der Plastik kommt nicht nur vom Meer, angespült wird auch auf dem Strand liegengelassener und dann weggespülter oder bei Flut ins Meer geworfener Abfall. Abfall ist Ab-fall, lässt man fallen. Am Strand, auf der Strasse, auf dem Feld, dort wo man steht.
Ich setze mich bei Sonnenuntergang meist zu den Männern beim Mangobaum. Das ist am westlichen Dorfrand. Man hat hier einen guten Blick aufs Fussballfeld und landeinwärts, dorthin, wo die Sonne hinter den Hügeln feuerrot untergeht. Den Abend hier ausklingen zu lassen und Palmwein zu trinken, ist für mich eine gute Möglichkeit, mit den Männern in Kontakt zu kommen. Nicht alle sprechen jedoch Englisch – und ich nicht so gut –, aber der Palmwein macht fröhlich…
Hier spricht man vor allem Suaheli oder Kichonyi. Wer nicht in der Schule war, spricht kein Englisch. Die meisten Serviererinnen sprechen kein Englisch. Ich spreche Suaheli, wenn ich Mnasi bestelle. So viel kann ich. Chibonge spricht fliessend Deutsch. Und Matano spricht Hebräisch! Matano hat selten Geld. Wenn er mich in Msumarini wähnt, taucht er hier auf. Er weiss, dass ich ihm eine Flasche bezahle. Matano war im Paradise erst Gärtner, und weil er im Kontakt mit den Touristen so schnell Hebräisch lernte, schon bald Touristenführer. Bis 2002. Seither kommt man in Msumarini mit Hebräsich nicht mehr sehr weit.
Wir sind ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in der Schweiz und konzentrieren uns auf die Sammlung und Verwertung von Plastikabfällen in Kenia. Zusammen mit der Bevölkerung vor Ort erbauen wir daraus Häuser und bieten somit nicht nur Unterkünfte, sondern auch Arbeitsplätze und Beschäftigung.
Die Vereinbarkeit von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten beschäftigt mich schon seit ein paar Jahren privat, wie auch in meiner Bildungs- und Berufslaufbahn.
Die Bedeutung von fair bezahlter Arbeit, Zugang zu Bildung, sowie umweltgerechten Entsorgungsmöglichkeiten ist mir während verschiedener Reisen in Südamerika und Ostafrika bewusst geworden. Insbesondere in den ländlichen Gebieten und Küstenregionen bin ich immer wieder Bevölkerungsgruppen begegnet, welche keine oder nur minimal der zuvor genannten Privilegien nutzen konnten. Dies verschaffte mir den Anreiz minderbemittelten Menschen genau diese Möglichkeiten bieten zu wollen.
Mit dem Besuch des Dorfes Msumarini in Kenia, ist die Sympathie zu den dort ansässigen Menschen und die Neugier zu den kulturellen Gebräuchen und Traditionen gestiegen.
Verbunden mit diesem Projekt verfolge ich nun eine Herzensangelegenheit.
Ich bin Servicetechniker und reise seit drei Jahren für meine Firma quer durch die Welt. Vielerorts habe ich gesehen, wie wertvolle Rohstoffe nicht oder nur teilweise wiederverwertet werden. Als ich im Sommer 2019 meinen Vater in Kenia besuchte und das Plastikproblem vor Ort mit meinen eigenen Augen sah, stimmte mich das nachdenklich. Immer wieder kam mir derselbe Gedanke: «Was kann man tun, um dieses Problem zu lösen?»
Ein paar Monate später, auf einer langweiligen Autofahrt mit Laura, kam uns die Idee. In Kenia gibt es zu viel Plastikabfälle, mit denen die Bewohner und Bewohnerinnen nichts anfangen können, zu wenig Arbeit und vielerorts sehr schlechte Unterkünfte. «Lass uns den Plastik aus der Natur holen, Arbeitsplätze schaffen und daraus den ärmsten der Gesellschaft eine bessere Unterkunft bauen!» Dass wir ein paar Wochen später tatsächlich den Mut aufbringen, einen Schritt weiter zu gehen und uns der Lösung annehmen, haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geplant.
Nun haben wir aber einen geeigneten Produktionspartner gefunden und können endlich die Planung für das erste Musterhaus in Angriff nehmen. Als Projektleiter für den Hausbau freue ich mich enorm, wenn wir endlich das nötige Kapital aufbringen und uns dem Aufbau in Msumarini widmen können.
Ich heisse Zuena Baschung-Fondo. Ich bin in Mombasa, Kenia, aufgewachsen. Ich bin verheiratet und Mutter einer dreizehnjährigen Tochter. Seit siebzehn Jahren lebe ich in der Schweiz.
In meiner Kindheit gab es nur wenig Plastik und Recycling gehörte zu unserem Alltagsleben. Ich erinnere mich an das Tauschen von Altkleidern gegen Schuhe. Für eine Sodaflasche erhielt man einen Keniaschilling. Die Aludosen wurden zu Öllampen verarbeitet und die Flaschendeckel zu Musikinstrumenten. Zum Einkaufen haben wir immer eine Tasche aus Sisal oder Palmblättern mitgenommen. Mein Dorf war damals sauber und ordentlich.
Mittlerweile ist Plastik nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Überall sehe ich Plastik am Boden. Sei es beim Spaziergang am Strand oder auf dem Gemüsefeld. Sogar Tiere, die wir später konsumieren, fressen Plastik. Beim Schwimmen im Meer kommt mir Plastik entgegen.
Unser Dorf Msumarini, wo meine Familie und ich wohnen, ist grün, die Luft ist sauber und frisch. Die Menschen im Dorf leben einfach – nach ihrer Tradition und Kultur. Ich möchte meinen Mitbewohnern bewusst machen, dass wir viel weniger des schädlichen Plastiks benötigen, und dass wir den wenigen, den wir brauchen, recyceln können.
Ich bin Vater von vier Kindern, Sekundarlehrer und träume schon seit meiner Kindheit von Afrika. Ich musste 43 Jahre alt werden, bis ich das erste Mal nach Afrika kam. Unterdessen verbringe ich jährlich einige Wochen in Msumarini, Kenia. Die Menschen hier rufen mich Chengo. Ich sehe, wie sie in diesem kleinen Dorf am Indischen Ozean leben. Ich erlebe hier paradiesische Schönheiten und abgrundtiefe Widersprüche.
Ich verstehe mich als Teil von Msumarini. Nicht nur, wenn ich hier im Duka oder bei den Bauern und Fischern des Dorfes einkaufe oder wenn ich am Abend mit den Männern des Dorfes Palmwein trinke. Ich möchte etwas beitragen, das dem Dorf und seinen Einwohnern guttut.
Stephan und Laura, mein Sohn und seine Freundin entwickeln während eines Aufenthalts in Msumarini eine Idee: Plastik zu Baustoff rezyklieren und daraus einfache Häuschen bauen. Das gibt den Menschen hier Arbeit und ein Dach über dem Kopf und wirkt der Plastikverschmutzung entgegen. So wird aus Träumen ein Projekt. Und jetzt geht es an die Umsetzung.